Scheinfelder Erklärung

zum Thea­ter von und mit alten Men­schen

Positionspapier des Bundesarbeitskreises Seniorentheater/BDAT vom September 2007

Alte Men­schen spie­len Thea­ter!

Thea­ter­spie­len macht vor dem Alter nicht halt.
Es gibt eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Mög­lich­kei­ten für älte­re Men­schen, am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men: Thea­ter­spiel ist
eine davon.

 
Thea­ter­spiel mit alten Men­schen ist eine künst­le­ri­sche Tätig­keit

Thea­ter mit alten Men­schen kann Erin­ne­run­gen, Erfah­run­gen in Kunst trans­for­mie­ren und diese einem brei­ten Publi­kum ver­mit­teln. Dabei muss am Ende nicht immer eine öffent­li­che Auf­füh­rung ste­hen, bei einer sol­chen kul­tu­rel­len Tätig­keit kann auch der Weg das Ziel sein.
Die Arbeit an sich ist jedoch als künst­le­ri­sche Arbeit zu ver­ste­hen, denn nur im künst­le­ri­schen Tun, in der Kon­zen­tra­ti­on auf den künst­le­ri­schen Gestal­tungs­pro­zess ent­fal­ten sich die bil­dungs­re­le­van­ten und sozia­len Dimen­sio­nen des Thea­ter­spiels.
Thea­ter gilt als die sozia­le Kunst­form und als Kunst zeigt das Thea­ter sozia­le und päd­ago­gi­sche Wir­kung.

 
Thea­ter­spiel mit alten Men­schen ist bunt und viel­fäl­tig

So unter­schied­li­ch wie die Men­schen selbst, so unter­schied­li­ch sind auch die Thea­ter­for­men im Spiel mit alten Men­schen, hier­zu zäh­len: Erin­ne­rungs­thea­ter, Senio­ren­ka­ba­rett, Gene­ra­tio­nen­thea­ter, Mund­art­thea­ter, Erzähl­thea­ter, the­ra­peu­ti­sches Thea­ter mit Demenz­kran­ken,…

 
Thea­ter­spiel mit alten Men­schen ist sinn­stif­tend

„Wol­len wir ver­mei­den, dass das Alter zu einer spöt­ti­schen Par­odie unse­rer frü­he­ren Exis­tenz wird, so gibt es nur eine ein­zi­ge Lösung: wei­ter­hin Ziele zu ver­fol­gen, die unse­rem Leben Sinn ver­lei­hen.“ (Simo­ne de Beau­voir).
Das Thea­ter­spiel bie­tet hier­zu eine aus­ge­zeich­ne­te Mög­lich­keit. Es zeigt mit der Ener­gie der Alten das Lebens­ge­fühl älte­rer Men­schen. Die künst­le­ri­sche Tätig­keit för­dert die inner­li­che Beweg­lich­keit und kann zu einer ver­söhn­li­chen Lebens­bi­lanz bei­tra­gen.
Durch die Beschäf­ti­gung mit exis­ten­ti­el­len Fra­gen, wie etwa nach Leben und Tod und dem beglei­ten­den Pro­zess des „Sich-Erinnerns“ ent­ste­hen indi­vi­du­el­le Bil­der und Emo­tio­nen.
Thea­ter bie­tet den Ort, an dem man diese Gefüh­le in einen erleb­ba­ren und sicht­ba­ren Aus­druck brin­gen kann. Es geht darum, dem rei­chen Schatz an Erfah­run­gen eine Form zu geben und sie zu ver­wan­deln, statt inner­li­ch zu erstar­ren.

 
Thea­ter­spiel mit alten Men­schen ist ein Sprach­rohr

Selbst­be­wusst und mit gro­ßem Enga­ge­ment wer­den über das Thea­ter­spiel schlag­fer­ti­ge Ant­wor­ten auf Jugend­wahn, Alters­angst und dadurch auch neue Bil­der (Selbst­bil­der) vom Altern in unse­rer Gesell­schaft gesetzt. Dar­über hin­aus ermög­licht gera­de die Dis­tanz des Alters ein sou­ve­rä­nes Beleuch­ten des Hier und Heute.

 
Thea­ter­spiel mit alten Men­schen ist ein Netz gegen Ein­sam­keit

Es ist das Spiel im Ensem­ble, durch das Soli­da­ri­tät ent­steht und das immer wie­der gemein­sa­mes Ver­gnü­gen berei­tet.
Es ist zudem ein sozia­les Ereig­nis, wenn bei­spiels­wei­se eine Erin­ne­rung in ein Rol­len­spiel auf­ge­schrie­ben und gemein­sam umge­setzt wird und dies nur gelingt, wenn sich alle Kräf­te ver­ei­ni­gen.

 
Thea­ter­spiel mit alten Men­schen ist ein Ort der Begeg­nun­gen

Thea­ter mit alten Men­schen will Erlebnis- und Asso­zia­ti­ons­raum sein, um sich des eige­nen Ver­stan­des und Gefühls zu ver­si­chern. Es kennt phan­ta­sie­vol­le ästhe­ti­sche Über­hö­hun­gen, absur­de Situa­tio­nen, ver­rück­te Men­schen, vor allem aber Geschich­ten, die für alte und jün­ge­re Men­schen nicht die­sel­ben Geschich­ten sind, Geschich­ten, die alte und jün­ge­re Men­schen zu ganz neuen uner­hör­ten Geschich­ten her­aus­for­dern.