2019 Talk am See/

Workshops bei stAGE

Talk am See – erfolgreiche Premiere

 

Eine Einladung zu einem neuen Veranstaltungsformat gab es am 13. April 2019 im Rahmen der Theatertage am See in Friedrichshafen.

Die Vorstellungsrunde am Morgen ging bei einer Tasse Kaffee schnell über die Bühne, denn die Mehrzahl der Angereisten war von den „Unermüdlich Couragierten“ aus Geisingen und kannte sich bereits.

Gespannt wartete man dann auf die erste Vorstellung, um sie gemeinsam anzuschauen. Ungewohnt war dann allerdings schon die Einlasssituation im Stockdunklen; sie sorgte für einige Verunsicherung. Die begrenzten

Sitzmöglichkeiten in Form von Papphockern standen auf einer Rampe und waren für uns älteren Semester nur schwer erreichbar. Die Verantwortlichen sorgten jedoch sogleich für Stühle, die dankbar angenommen wurden.

 

Die Vorstellung „Spurensuche“, ein Schultheaterprojekt, zog alle in seinen Bann. Es befasst sich mit den Verbrechen und grauenhaften Abgründen der Nazizeit, und alle ZuschauerInnen wurden zu einem festen Bestandteil der Inszenierung. So waren die SeniorInnen mitten drin und wurden selbst abwechselnd zu Opfern oder Tätern. Das Erlebte war so intensiv und berührend, dass nach der Vorstellung im Gespräch mit den jugendlichen SchauspielerInnen fast das Mittagessen vergessen wurde.

Nach einem leckeren Essen und einer weiteren Theatervorstellung gab es eine kleine Pause, bevor zu einer gemütlichen Gesprächsrunde eingeladen war. Erfreut waren alle, dass auch Naemi Keuler, Präsidentin und Geschäftsführerin des LABW, mitdiskutierte.

Was macht Seniorentheater aus? Ist Kreativität im Alter anders? Mutiger? Braucht es extra Seniorenthemen?

Auch die allgemeinen Rahmenbedingungen, Erfahrungen mit Institutionen oder die vorhandene Infrastruktur waren dabei Themen.

Bevor sich alle voneinander verabschiedeten, wurde ganz klar der Wunsch geäußert, dieses Angebot zu wiederholen und zu etablieren. Die Mischung aus gemeinsamen Vorstellungsbesuchen und Gesprächsrunde an einem Tag kam bei der Premiere im April hervorragend an.

 

 

 

stAGE - 1. gesamteuropäisches Seniorentheaterfestival in Baden-Württemberg

 

Ein Meilenstein für das Seniorentheater war das Festival stAGE vom 16. bis 19. Mai 2019 in Esslingen. Sieben Theatergruppen aus allen Regionen Europas begeisterten mit ihren Vorstellungen die mehr als 1600 BesucherInnen. Starke Theaterkunst, politische Statements und lustvolle Begegnungen prägten dieses außergewöhnliche Theatertreffen.

 

Der LABW mit seinem AK Seniorentheater hatte seine jährliche Fortbildung an dieses Festival angegliedert. Dass aber gerade die Gruppen aus Baden-Württemberg dieses attraktive Angebot nicht besser nutzten, war für das

Organisationsteam allerdings dann doch einigermaßen unverständlich und auch enttäuschend. Trotzdem waren die Workshops alle gut besucht. Das Besondere daran waren auch hier die internationalen Begegnungen über Sprachgrenzen hinweg. Renommierte ReferentInnen aus dem In- und Ausland waren dafür engagiert worden und boten spannende Workshops an:

Musikalisch aufgehoben war man bei Bernhard König mit dem Thema Lebenslieder, Tanztheater bot Lisa Thomas an, um Figurentheater ging es bei Annette Scheibler und Sigrun Kilger, der Belgier Bram de Win beschäftigte sich mit Masken, und Nico Reyes aus Chile hatte das Thema Clown zum Inhalt seines Workshops gemacht.

Nachfolgend schildern ein paar Teilnehmerinnen ihre Erlebnisse bei den Workshops:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebenslieder

Schon die Vorbereitung war spannend: Welches Lied kann vor allen anderen, die mir doch auch viel bedeutet haben, in den Adelsstand erhoben werden?

Wir haben uns rührende Geschichten erzählt und Bernhard hat in Nullkommanix ein tonales Drehbuch entwickelt. Die eine sang mit der unschuldigsten Stimme einer 5-jährigen von mordlüsternen Vorhaben im

Spessart und fand einen wundervollen Mitspieler, der Liebhaber vom "Wirtshaus" und daher textsicher war.

Eine andere intonierte ein fröhliches Stück Hausmusik. Der Papa spielte Quetschkommode. Alle hauten kräftig rein. Ich durfte den Part des 2-jährigen Brüderchens übernehmen und hatte damit alle Freiheit, eine Blechdose als Schlagwerk zu malträtieren. Wunderbar: man muss nicht erst die musikalische Früherziehung durchlaufen, um vollwertiges Mitglied eines Hauskonzertes zu sein. Wieder eine echte Weiterbildung!

 

Masken

Ich war ganz verzaubert im Maskenkurs von Bram de Win. Weiße Standardmasken werden lebendig durch minimale Bewegungen. Jede von uns hat die gleiche Maske auf und trotzdem entfaltet sich von innen nach

außen eine ganz berührende Individualität. Es ist wirklich magisch. Ganz anders die Charaktermasken. Die entfalten ihre Wirkung durch Übertreibungen in der Gestik und entlocken uns auch Samen, die wir so noch

nie nach draußen gebracht haben. Ich jedenfalls kannte mich so noch nicht. Ein Riesenspaß und wieder was gelernt.

 

Das Festival war ein großes Glück für mich!

Barbara Brüggmann

 

Alte Stimmen sind schöne Stimmen

Lebenslieder sind Lebensthemen sind Geschichten, die berühren. Das ist die Quintessenz des Workshops Lebenslieder von Bernhard König, welche ich mit nach Hause genommen habe. Daneben habe ich Handwerkszeug an die Hand bekommen, Ideen für ein Warming up, Ideen wie ich Material gewinnen und Material gestalten kann.

Ich bin neugierig gekommen und ging, angeregt durch fachliche Kompetenz ohne Überforderung, inspiriert und zuversichtlich nach Hause.

 

Ein Clown wird geboren

Entspannt liegt er auf dem Boden, lauscht der Musik und wartet. Dann berührt ihn die Hand des Schöpfers und nach und nach bewegt er seine Gliedmaßen, probiert aus, was möglich ist. Er lernt das Gehen, nimmt Kontakt auf. In der Clownsschule durchschreitet er die Stufen der 7 Energielevel und der 7 Emotionen.

Die Körperteile führen ihn in verschiedene Ebenen. Sie sind die Motoren seiner Bewegung.

Er übt Präsenz, er erfährt, wie wichtig complicité mit dem Publikum ist.

Schmerzlich berührt ihn das Versagen, failure, das er in seine Persönlichkeit integrieren muss, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Und dann entdeckt er seine Einzigartigkeit. Die rote Nase, das Schminken wird

zum Initiationsritus. Er ist verwandelt.

Und, oh Wunder, er ist nicht allein. Der Raum ist voller Clowns und in seiner ihm eigenen Sprache Gromolo kann er sich verständigen und Geschichten erzählen.

Voll Zuversicht verlässt er den geschützten Raum und zieht hinaus, die Bühnenwelt zu erobern.

 

Es hat mir Spaß gemacht!

Marie-Luise Gnannt

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